Linden – eine wahnsinnige Geschichte – Teil 3: Die Kirche im Dorfe lassen

St. Martinskirche - Damals noch ohne Bushaltestelle

St. Martinskirche – Damals noch
ohne Bushaltestelle

Als man abends nach getaner Arbeit zusammensaß, kam bald Langeweile auf. Kein Fernsehen, keine Videospiele, keine Computer – nur ein müder Kienspan, der fahles Licht verbreitete. Da fiel den Bauern ein, dass sie schließlich zum christlichen Abendland gehörten und schon reifte der Plan, eine Kirche zu errichten. Über den Standort wurde heftig gestritten bis die Meinung mehrheitsfähig war, die Kirche im Dorf zu lassen. Und wenn schon, denn schon: also in der Mitte des Dorfes.
Wann das genau war, konnte niemand aufschreiben. Lindens Bauern waren zu jener Zeit Analphabeten. Aufgeschrieben wurde später von der Obrigkeit der 14. Mai 1285. Da übertrug selbige nämlich dem Geistlichen Rabodo von Haboldesen die Priesterstelle. Von nun an lernten Lindens Bauern in den Gottesdiensten. Allerdings nicht immer das Richtige, denn damals war die Erde noch eine Scheibe und Mittelpunkt unseres Sonnensystems. Meinte zumindest die alleinseligmachende Kirche. Wer widersprach, kam vor der Zeit zu seinem himmlischen Vater, denn Scheiterhaufen brennen schnell. In Linden widersprach niemand, weil „Scheibe oder Kugel“ bei dem Risiko einfach kein Thema war.
Vielmehr kümmerte man sich um ökologischen Anbau von Feldfrüchten. Chemischer Dünger und genmanipulierte Pflanzen wurden strikt abgelehnt. Auch in der Viehzucht wurde auf das Prädikat BIO geachtet, weshalb Fälle von BSE völlig unbekannt waren.

Aus dem Buch „Linden – Eine wahnsinnige Geschichte“ des kürzlich verstorbenen Autors Hans-Jörg Hennecke

Das Buch, ein Klassiker, ist leider auch in der zweiten Auflage vergriffen.

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